Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde das Problem "Luftschutz" auch für das Krankenhaus aktuell, und man war bemüht, Luftschutzräume für Patienten und Personal ausfindig zu machen. Da boten sich die weitläufigen Kellerräume im ehemaligen Karmeliterkloster, später nach dessen Auflösung jene der berühmten "Sammet-, Seiden- und Floretfabrik" der Fabrikanten Christoph Andrä und Carl Friedreich Bräunlich an. Aus der Adaptierung dieser Räume sowie durch Anschaffung der vorgeschriebenen Anlagen für die Ende 1939 in Kraft getretene Verdunkelung erwuchsen dem Krankenhaus immense Kosten. In den Kellerräumen Schlögelgasse 6–24 wurde Platz für 300 Patienten sowie je einen Operationsraum für Chirurgie und Gynäkologie geschaffen. Dafür mussten 160.000 Reichsmark aufgebracht werden. 

Damals gab es die Bestimmung, dass nur so viele Kranke ins Spital aufgenommen werden sollten, als im Luftschutzkeller dauernd untergebracht werden konnten. Doch dies einzuhalten, war nicht möglich: Da die Spitäler der Umgebung, wie etwa Neunkirchen, Baden, Eisenstadt und Oberpullendorf, nicht über Abteilungen für Lungen-, Augen-, HNO- und Gynäkologie verfügten, war das Krankenhaus Wiener Neustadt ständig überfüllt. Im Notfall und nur für kurzfristige Unterbringung war die Übersiedlung der Internen Abteilung in das Staatsgymnasium angedacht.

Zudem erteilte der Reichsstatthalter in Niederdonau am 10. April 1941 allen Landräten (vergleichbar mit den Bezirkshauptmännern heute) und Oberbürgermeistern eine auch für Wiener Neustadt schmerzhafte Weisung. Danach hatte die Stadt sämtliche durch Errichtung, Umgestaltung, Erweiterung und Unterhalt anfallende Lasten in voller Höhe selbst zu tragen. Dreiviertel der Aufwandskosten hatte ja bislang wegen des Krankenanstaltengesetzes in vollem Umfang der Gau getragen!

Im Jahre 1941 setzte sich die Betriebsärztin der Wiener Neustädter Flugzeugwerke Dr. Ludmilla Weippl vehement für die Errichtung einer Säuglingsstation und Kinderabteilung im Spital ein. Man zog in Erwägung, dafür eine Baracke aufzustellen und das zweite Stockwerk der Bräunlich-Realität auszubauen. Die vorgesehenen Notlösungen wurden jedoch nicht in Angriff genommen.

Mit einem Schreiben vom 20. November 1941 machte die Generaloberin der geistlichen Schwestern darauf aufmerksam, dass es dem Orden an Nachwuchs mangle und daher die Versorgung des Neustädter Krankenhauses mit Pflegeschwestern nicht länger gewährleistet werden könne. Direktor Habetin wandte sich daher an den Reichsbund der freien Schwestern und Pflegerinnen und ersuchte diesen, Schwestern zur Verfügung zu stellen. Die Einstellung weltlicher Schwestern scheiterte sowohl an der herrschenden Wohnungsnot als auch an den finanziellen Mehrbelastungen für die Gemeinde.

Damals betrug der Jahresaufwand für die 94 beschäftigten geistlichen Schwestern (sie arbeiteten durchschnittlich 84 Stunden wöchentlich) 92.955 Reichsmark. An deren Stelle wären 132 weltliche Pflegerinnen notwendig gewesen (deren Arbeitszeit ja "nur" 60 Wochenstunden betragen hätte). Da hätte man mit einem Jahresaufwand von 302.544 Reichsmark rechnen müssen. Im März 1942 hatte sich jedoch der Mangel an geistlichen Schwestern wieder gebessert.

Fliegeralarm und Bombardierungen

"Kuckuck, Kuckuck"-Rufe nicht aus dem Wald, sondern aus den Rundfunk-Volksempfängern, verbunden mit ohrenbetäubendem Sirenengeheul! Noch immer ein Albtraum für viele ältere Wiener Neustädter. Schreckliche Erinnerungen an Fliegeralarme, an das Aufsuchen der nächsten Luftschutzbunker für die Zivilbevölkerung. Das Gerenne und Gestoße, Mütter mit Babys in Kinderwägen und mit dem Allernötigsten, das Wummern der Bombeneinschläge, dann endlich Entwarnung. "Steht mein Haus noch, ist meine Wohnung intakt geblieben?", das war die erste Frage, die man sich stellte. Und das neunundzwanzig Mal! Neunundzwanzig Fliegerangriffe auf Wiener Neustadt mit schrecklichen Bombardements, die vielen Toten und Verletzten, die traumatischen Ängste der Bevölkerung. Dazu die Durchhalteparolen der NS-Propaganda, das Warten auf sogenannte "Wunderwaffen", das Warten auf Nachrichten von angehörigen Vätern, Söhnen, Brüdern an der Front. Ab 13. August 1943 bis Kriegsende – eine damals schier endlos empfundene Zeit.

Am 2. November 1943, also beim dritten Luftangriff, wurde das Krankenhaus das erste Mal von Bomben getroffen. Während die gehfähigen Patienten, als Alarm gegeben wurde, die Luftschutzkeller aufsuchen konnten, mussten die nicht transportfähigen Kranken im Erdgeschoß des Krankenhaus-Hauptgebäudes verbleiben. Der Angriff forderte im Spital zwei Tote und sechzehn Verletzte. Die Bombentreffer führten zu einer vollständigen Zerstörung der folgenden Gebäude: Infektionspavillon A I und A II, beide Isolierbaracken, Beobachtungspavillon C, beide Ausländer-Infektionsbaracken, Hauptpavillon E, Männerpavillons B der Lungenabteilung, Personalhaus. 

Ferner wurden bei diesem Angriff die Tuberkulosefürsorgestelle in der Schlögelgasse und das Kesselhaus schwer beschädigt. Die Zerstörung der großen Fenster der chirurgischen Operationssäle machte die Aufrechterhaltung des OP-Betriebes zunächst unmöglich. Noch am selben Tag entschloss man sich, die Infektionsabteilung und einen Teil der Lungenabteilung in die Heil- und Pflegeanstalt nach Neudörfl an der Leitha zu verlegen. Die Insassen dort wurden nach Mistelbach transferiert. Auch die 120 obdachlos gewordenen geistlichen Schwestern, deren Haus in der Waisenhausgasse von den Bomben schwer beschädigt wurde, übersiedelten vorübergehend in das Gymnasium, das den Schulbetrieb eingestellt hatte.

Sofort nach den durch den Bombenangriff 1943 angerichteten Zerstörungen begann der Wiederaufbau der beiden am dringendsten benötigten Objekte, also des Kesselhauses und des Hauptpavillons E der Lungenabteilung. Die Wiederherstellung beider Gebäude wurde im März 1945 abgeschlossen, der Lungenpavillon am 13. März 1945 neu belegt. Doch bereits einen Tag später, am 14. März, legte ein neuerlicher Bombenangriff beide Gebäude wiederum in Schutt und Asche. Dieser Angriff legte vor allem den operativen Betrieb im Krankenhaus vollkommen lahm. Für den Notfall musste man den im Luftschutzkeller der Bräunlich-Realität eingerichteten Operationsraum verwenden.

Bei den Kämpfen um die Stadt im April 1945 erlitt das Hauptgebäude des Krankenhauses durch Granateinschläge beträchtliche Schäden. Am 2. April 1945 (Ostersonntag) marschierten die Truppen der Roten Armee in Wiener Neustadt ein. Schon in den Vormittagsstunden besetzten sie das Spital. Dort befanden sich neben dem Ärztlichen Direktor Habetin die Primarärzte Kadletz, Stiglbauer, Stupka und Dimmel sowie 70 Patienten, 25 Angestellte und die geistlichen Schwestern mit ihrer Oberin.

Schwieriger Schutz vor Bombardements, dauernd überfüllte Abteilungen, große finanzielle Probleme

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Bombenschäden 1945, Quelle: Stadtarchiv

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Fliegerangriffe auf die Stadt Wiener Neustadt


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Bericht Dr. Habetin an Stadtamt 1 über die Versorgung von Verletzten

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Oberschwester Erminolda – sie war 45 Jahre lang Operationsschwester.

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