Die Planung

Das Krankenhaus ist über die Jahre so stark gewachsen, dass das Thema Neubau immer unausweichlicher wurde. Es handelt sich um den großen Klinik-Baukörper mit 14 Stockwerken, der bis heute den Kern des Landesklinikums Wiener Neustadt bildet und den Großteil der Abteilungen und Institute beherbergt.

Die Grundlagen für die Überlegungen zum Neubau des Haupthauses waren Zielvorgabe aus dem Raumordnungsprogramm für das Gesundheitswesen des Bundeslandes Niederösterreich (LGBL 8000/22-3): In einer Krankenanstalt der Schwerpunktversorgung erfolgt die ärztliche Behandlung der Patienten nach den jeweils neuesten Grundsätzen und anerkannten Methoden der medizinischen Wissenschaft. Folgende Konsequenzen sind dabei zu berücksichtigen:

- Planungen für ein Krankenhaus dürfen sich nicht auf Einzelmaßnahmen
beschränken, sondern müssen sich in ein Gesamtkonzept einordnen.

- Voraussetzung sind die für die medizinische Betreuung und Beherbergung
kranker Menschen notwendigen Räume.

- Die Planung für ein Spital hat auch die zukünftige dynamische Entwicklung
der Medizin zu berücksichtigen.

Die Beibehaltung des Standortes ergab sich zunächst auch aus der vorhandenen guten Infrastruktur. So ließ sich in Wiener Neustadt ein zentrumsnaher Krankenhausbezirk entwickeln, dessen zentraler Neubau aus einem viergeschoßigen Basistrakt (technische Einrichtungen, Versorgung, Ambulanzen u.a.m.) und einem aufgesetzten zehngeschoßigen Baukörper (Stationen der chirurgischen Fachabteilungen mit insgesamt 420 Betten) besteht. Das war der entscheidende Schritt in Richtung Schwerpunktkrankenhaus. Zur Realisierung dieser Planung mussten zunächst drei, später sieben der alten Pavillons des Elisabeth-Spitals abgetragen werden. Das Kesselhaus war ja bereits 1963 an anderer Stelle neu errichtet worden.



Die Bauphase

Der Bauplatz im Zentrum der Stadt bot neben der räumlichen Enge und den damit verbundenen logistischen Schwierigkeiten und neben der Errichtung im laufenden Betrieb auch eine große weitere Herausforderung: Wiener Neustadt liegt direkt im Einzugsbereich der sogenannten Mitterndorfer Senke, also in jenem Grundwasserstrom, der von Schneeberg und Rax in Richtung Wiener Becken zieht. Deshalb wurde von Anfang an eine dichte Grundwasserwanne projektiert. Die starke Wasserführung des Untergrundes machte eine überaus aufwendige Wasserhaltung erforderlich, die zu den größten in Europa zählt. Durchschnittlich fallen 1.000 Liter Wasser pro Sekunde an, das ist etwa der Wasserbedarf einer Stadt in der Größe von Linz!

Um die Baugrube wurde das Wasser mittels PVC-Schlauchleitungen gesammelt, die mit Hilfe von Pumpen das Wasser in einem eigenen Kanalstrang zum einige hundert Meter entfernten natürlichen Bett des Altabaches führten. Für einen Zeitraum von sieben Monaten wurde damit der Grundwasserspiegel um rund dreieinhalb Meter bis unter die Baugrubensohle abgesenkt – eine enorme technische Leistung. Die Bauführung selbst war durch die räumliche Beengtheit gekennzeichnet. Auch musste die volle Aufrechterhaltung des Spitalsbetriebes in den bestehenden Gebäudeteilen gewährleistet sein. Zur Errichtung des Hochtraktes wurden zwei Turmdrehkräne mit 50 Meter Ausladung in Aufzugsschächten mit dem Bau hochgezogen. Nach diesem Verfahren dauerte die Herstellung einer Etage etwa 14 Tage. Hundert bis hundertzwanzig Mann wurden für die Rohbauarbeiten eingesetzt, am Gesamtbau einschließlich Einrichtungen waren rund 120 Firmen beteiligt.

Nach einer Bauzeit von fünf Jahren und zwei Monaten wurde eines der modernsten Krankenhäuser Niederösterreichs am 24. Juni 1982 durch Bundespräsident Dr. Rudolf Kirchschläger feierlich eröffnet. Die Kosten: 830 Millionen Schilling. Sechzig Prozent dieser Summe wurden vom Land Niederösterreich, je zwanzig Prozent vom Krankenhaussprengel und von der Stadtgemeinde Wiener Neustadt aufgebracht.


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Historische medizinische Instrumente: Magenausheber, OP-Besteck, Gerät zum Untersuchen des Kehlkopfes, Mehrzweckspritze und Rektoskopieset



Asclepion Kos 5Der Schlögeltgartenturm beherbergt Babyklappe und Krankenhaus- Museum.

Museum im Turm
Im sogenannten Schlögelgartenturm, einem der noch existierenden mittelalterlichen Wehrtürme der Stadtbefestigung Wiener Neustadts, wurde nach dessen Renovierung neben der Babyklappe (im Erdgeschoß) ein kleines Spitalsmuseum im ersten Stock eingerichtet. Neben alten Stichen, Fotos und Dokumenten findet man eine kleine Sammlung vor allem chirurgischer Instrumente, die auch für den medizinischen Laien von Interesse ist. Die Vokalkonfiguration AEIOU und die Jahreszahl 1450 an der Westfassade des Turmes weisen auf die Bauherrnschaft Kaisers Friedrich III. hin. Besonders kurios ist ein handschriftlich geführtes Buch aus den späten 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts, in dem das Spitalsessen einer strengen Qualitätskontrolle unterzogen wurde.



Asclepion Kos 5Das Symbol AEIOU und die Jahreszahl 1450 an der Fassade



Asclepion Kos 5Auszug aus Essenskritik

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Der Neubau – ein trutziger Block mit dem Stadtwappen
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Der imposante Neubau – das Haupthaus, das 1982 eröffnet wurde. Links Mitte der Block mit der Krankenpflegeschule, schräg dahinter der 2011 eröffnete Raumzellenbau, der ganz wesentlich für den Betrieb des Klinikums bis zum Neubau ist. Rechts im Bild der Altbestand mit der Kirche, im Vordergrund das Parkhaus mit dem Hubschrauber-Landeplatz, das 2002 eröffnet wurde.

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Bei der Eröffnung der Augenabteilung 1982 hielt Bundespräsident Rudolf Kirchschläger die Festrede.

Belegung der Geschoße im Schwerpunkt- krankenhaus

2. UG: Bettenzentrale, Zentralsterilisation

1. UG: Anstaltsapotheke, Physikalische Therapie, Wäsche- und Material- Gebarung

E: Ambulanzen, Zentrallabor, Gyn-OP, HNO-OP

1. OG: Operationstrakt, Büroräume

2. OG: Haustechnik, Telefonzentrale

3. OG: Unfallabteilung, Intensivpflege

4. OG: Geburtshilfe und Entbindungsbereich

5. OG: Gynäkologie und Orthopädie

6. OG: Chirurgie

7. OG: Chirurgie

8. OG: Urologie, Orthopädie

9. OG: Schielambulanz, Augenbehandlung, OP und Diagnoseräume für Urologie

10. OG: Augenabteilung

11. OG: Haustechnik