Die Diagnose Krebs schockiert wie keine andere. Sie ist wie ein Sturz aus der Lebensmitte, wie ein Schlag ins Gesicht. Jährlich erkranken im Durchschnitt 40.000 Österreicherinnen und Österreicher daran. Die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten werden jedoch immer besser, die Diagnose Krebs ist heute längst kein Todesurteil mehr. Im Kampf gegen Krebs ist eine Spezialisierung notwendig – wie derzeit in Wiener Neustadt: Das Landesklinikum ist am Weg zu einem der modernsten europäischen Krebskompetenzzentren. Gemeinsam mit dem Strahlentherapie- und Forschungszentrum MedAustron und der Rehabilitationseinrichtung Lebens.Med Zentrum in Bad Erlach entsteht in der Region eine Versorgungssituation, die viele Wünsche erfüllt und im europäischen Spitzenfeld liegt. Diese Entwicklung bedeutet einerseits Hoffnung für tausende Patienten und ist andererseits eine große Chance für die gesamte Region. Der Ärztliche Direktor des Landesklinikums Wiener Neustadt Prim. Univ.-Doz. Dr. Paul Christian Hajek macht es deutlich: "Unser Anspruch ist eine topmoderne Diagnose und Therapie, unter Einsatz innovativster Verfahren und Technologien. Dies erreichen wir durch enge Anbindung und Vernetzung der Behandlung mit der wissenschaftlichen Forschung."

Strukturen entwickeln sich

Viel tut sich bereits im Kampf gegen Krebs – und vieles wird sich noch tun. Bereits jetzt finden im Landesklinikum regelmäßige Tumorboards – interdisziplinäre Fallbesprechungen – statt, bei denen Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen onkologische Fälle besprechen, um die optimale Therapie festzulegen. Pro Woche werden in den Tumorboards etwa 60 Patienten besprochen. Auch klinikübergreifend beraten sich die Ärztinnen und Ärzte – per Videokonferenzen mit den Kliniken in Baden-Mödling, Hochegg, Hainburg, Graz und Oberwart. Zudem besteht mit der Kooperation mit MedAustron – einem der modernsten Krebsbehandlungs- und Krebsforschungszentren der Welt – zukünftig eine perfekte Symbiose im Kampf gegen Krebs. MedAustron wird im Vollbetrieb rund 1.400 Patienten neue Chancen eröffnen. Weltweit existieren bisher nur drei derartige Ionentherapiezentren.

Anforderungen an das Krebskompetenzzentrum

Die Anforderungen an ein Krebskompetenzzentrum sind vielfältig: organbezogene interdisziplinäre Therapiezentren, ergänzende und begleitende Angebote in der Therapie (z. B. Ernährungsberatung und Musiktherapie), interdisziplinäre Projektgruppen, onkologische Forschung, Fort- und Weiterbildung aller an Diagnose und Therapie Beteiligten, Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung, regionale Kooperationen, ein klinisches Krebsregister, eine Onko-Zertifizierung und vieles mehr. "Eine breite Palette von
(Aus-)Bildungsangeboten in Labor und Klinik soll unser Tun begleiten. Denn zusammen mit unseren Patientinnen und Patienten und der NÖ Landeskliniken-Holding haben wir im Landesklinikum Wiener Neustadt ein Ziel: gemeinsam den Krebs zu überwinden", erklärt der Ärztliche Direktor.

Baustein Onkologie-Tag

Beim NÖ Onkologie-Tag 2013 informieren sich rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu aktuellen Themen der Krebsforschung. Die jährlich wiederkehrende ganztätige Weiterbildungsveranstaltung fand 2013 erstmals in Wiener Neustadt statt - in den Räumlichkeiten des TFZ (Technologie- und Forschungszentrum) sowie im Krebsforschungszentrum MedAustron.

Landesrat Mag. Karl Wilfing besuchte den Onkologie-Tag in Vertretung von Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll: "Niederösterreich ist Vorreiter in der Krebsbehandlung und hat sich in den vergangenen Jahren auch zu einem europäischen Kompetenzzentrum entwickelt. Wir investieren in Forschung und setzen alles daran, die Heilungschancen für Krebspatientinnen und -patienten laufend zu verbessern."

Den Onkologie-Tag 2013 nutzten die Teilnehmenden, um die derzeitigen Methoden in der Krebserkennung und -behandlung aufzuzeigen, aber auch um einen Ausblick auf zukünftige Innovationen zu geben. Schwerpunkt der Veranstaltung ist 2013 der Fachbereich Lunge. Lungenkrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen.

Pilotklinikum für Tumor-Datenbank

Die Tumorboards in den NÖ Landeskliniken sind ein wichtiger Schritt für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, die Videokonferenzsysteme erleichtern die Zusammenarbeit über Klinik-Grenzen hinweg. Der nächste Schritt ist eine standardisierte und strukturierte Dokumentation für die Behandlung onkologischer Patienten. Die Dokumentation soll möglichst wenig Arbeit machen und die Datenbank möglichst viel an Wissen und Hilfestellungen liefern. Ein standardisiertes Onkologie-Infosystem mit NÖ-weit zusammenführbarer Datenbasis für statistische sowie medizinische Analysen schafft völlig neue Möglichkeiten auch in Ausbildung und Forschung. Das Pilotprojekt im Landesklinikum Wiener Neustadt bewährt sich. Projektleiterin Dr. Daniela Herzog, MA, Stabsstelle Projekt- und Prozessmanagement in der Ärztlichen Direktion: "Die einheitliche Dokumentation ist ein wichtiger Schritt in Richtung Qualität." Und Prim. Univ.-Doz. Dr. Friedrich Längle, Leiter der Chirurgie, sieht das Projekt als enorm wichtig für die Patienten an: "Wir haben damit jede Menge Informationen über Therapieerfolge und -verläufe, das hilft uns in der Wahl der richtigen Behandlung." Längle gehört auch zum Holding-weiten Team der medizinischen Experten, die das Projekt beraten. Das System wird den gesamten Krankheitsverlauf dokumentieren: Anamnese, Diagnostik, Diagnose, Tumorboard, Therapie und Nachsorge.

Neue Hoffnung für Krebspatientinnen und -patienten: Im Landesklinikum Wiener Neustadt entsteht ein Krebskompetenzzentrum auf höchstem Niveau. Moderne Diagnose- und Therapiemethoden gewährleisten die optimale Behandlung.


Wichtiger Onkologie-Tag für ganz Niederösterreich erstmals in Wiener Neustadt: (v.l.) Prim. Univ.-Doz. Dr. Paul Christian Hajek, Univ.-Prof. Dr. Martin Pecherstorfer, Landesrat Mag. Karl Wilfing und der Medizinische Geschäftsführer der NÖ Landeskliniken-Holding, Dr. Robert Griessner




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