Hospitäler aus Spenden für das eigene Seelenheil, Sonderkrankenhäuser für ansteckende Krankheiten

Der Aufschwung der Städte ab der Stauferzeit (13. Jahrhundert) machte auch die Gründung von Hospitälern in ihren Mauern notwendig. Denn mit der wirtschaftlichen Kraft der Städte wuchsen auch die sozialen Spannungen in ihrem Inneren. Die Bürgerschaften entwickelten sich zu politischen Körperschaften, die nach autonomer Machtausübung strebten. Die in die Städte strömenden und dort Arbeit suchenden Menschen stammten oft aus bäuerlichen Abhängigkeitsverhältnissen, denen sie sich durch ihre individuelle Mobilität zu entziehen versuchten – nach der Devise "Stadtluft macht frei". 

Damit fehlte aber auch oft die soziale Absicherung und Krankenpflege, die traditionell von den dörflichen Großfamilien geleistet wurde. Außerdem wollten sich die begüterten Schichten des Bürgertums ihre Lebenshaltung bei Gebrechlichkeit, Alter und Krankheit durch die Aufnahme in ein Spital oder Pfründehaus sichern. Deshalb spendeten sie für Spitäler – zur Versorgung armer und kranker Personen (der sogenannten Pfründner) und zur "Memoria" der Stifter. Triebfeder war die allgemeine kirchliche Auffassung, dass durch gute Werke der eigenen Seele, aber auch den Seelen verstorbener Verwandter geholfen werden könne. Spenden sollten das Gedenken an den Stifter durch Messen zu besonderen Jahrestagen erhalten. In den Bürgertestamenten finden sich daher Redewendungen, wie "… das si meiner sel darumb gedenkchen sullen".

Doch nicht alle Kranken fanden Aufnahme im Spital: Aussätzige, Pest- und Leprakranke mussten wegen der Ansteckungsgefahr in sogenannte Sundersiechenhäuser, die außerhalb der Stadtgemarkung, meistens an der Hauptverkehrsstraße, gelegen waren. Dadurch konnten diese Kranken auf sich aufmerksam machen und Almosen von Reisenden und Pilgern erbetteln.

In Österreich hat sich bereits ab dem 13. Jahrhundert der Orden der Ritter des heiligen Lazarus gemäß dessen Satzungen dieser Ärmsten angenommen.

Das Spital zu St. Elisabeth

Wiener Neustadt verfügte bereits Anfang des 14. Jahrhunderts über ein Spital, das sich – wie im Mittelalter durchaus üblich – außerhalb der Stadtmauer vor dem Inneren Wiener Tor befand. Heute stehen auf jenem Platz die Häuser Wiener Straße Nr. 29 bis 35. Dazu gehörte ein weitläufiger Garten. Der Pfarrer der Spitalskirche hatte sowohl die Seelsorge für die im Spital untergebrachten Armen und Kranken als auch für die Dienstleute dieser Wohltätigkeitsanstalt über.

Das Spital war der Hl. Elisabeth geweiht, die im 13. Jahrhundert als ungarische Königstochter den Landgrafen Ludwig von Thüringen ehelichte und fünf Kindern das Leben schenkte. Sie widmete sich besonders der Armen- und Krankenfürsorge. Ihr Hauptaugenmerk galt den Leprakranken, die ihr Leiden aus dem Heiligen Land eingeschleppt hatten. Ihnen haftete ein wenig die Glorie des Martyriums an und sie waren der beste Beweis für die Gefährlichkeit der Kreuz- und Pilgerfahrten.

Das Sundersiechenhaus

Die im 14. und 15. Jahrhundert häufig grassierenden Seuchen mögen die Stadtverwaltung zum Bau eines eigenen Seuchenspitals veranlasst haben. Im Dezember 1430 wird das Haus der "Sundersiechen" als Unterkunft für die Aussätzigen das erste Mal urkundlich erwähnt. Es befand sich weit außerhalb des äußeren Wiener Tores bei der St.-Markus-Kapelle und war vermutlich am Hammerbach gelegen. 1529 wurde das Haus St. Marx (Hl. Markus) wegen der drohenden Türkeneinfälle abgerissen, um dem Feind keine Möglichkeit zu geben, sich hier festzusetzen.

Das Bürgerspital am Pfarrplatz

Wegen der Türkeneinfälle 1529 und 1532 hatten die Insassen des Elisabeth-
Spitals ihre Unterkunft außerhalb des Inneren Wiener Tores verloren und warteten in unzulänglichen Notunterkünften auf die Zuweisung eines neuen Gebäudes innerhalb der Stadt. Vermutlich auf landesfürstliche Empfehlung hin erwarb die Stadt im Jahre 1545 ein unverbautes Grundstück an der Westseite des Domplatzes und errichtete das neue Spital, das Ende des 16. Jahrhunderts fertig gestellt und von den Spitalsleuten bezogen wurde. Der Platz erschien als äußerst geeignet, da die armen Insassen die Kirche besuchen und Almosen sammeln konnten. Auch eine Badstube wurde eingerichtet. Die Zahl der Insassen erhöhte sich von Tag zu Tag. Dieser Neubau, der bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg mit seinen zweigeschoßigen Laubengängen an den drei Hoffronten unverändert erhalten blieb, war ein beachtliches Beispiel der Renaissancebaukunst.

Im Jahre 1762 errichtete der Landschaftsphysikus Andreas Fourlani ein eigenes Krankenhaus, das er zehn Jahre lang führte. Er kam auch für die Kosten der Versorgung der Patienten selbst auf. Dann konnte er den Betrieb seines Spitals nicht länger aufrechterhalten. Er stiftete seine noch zur Verfügung stehenden Mittel dem Bürgerspital, dem Großen Lazarett.

Das Kleine Lazarett

Als im 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts Pestepidemien die Stadt schwer heimgesucht hatten und trotz mancher Vorkehrungen auch innerhalb der Stadt wüteten, entschloss man sich, eine Quarantänestation, ein kleines Lazarett, außerhalb der Stadtmauer zu errichten.

Die Begriffe Lazarett und Quarantäne kommen von der venezianischen Laguneninsel San Lazzaretto Vecchio, in der sich pestkranke Pilger, die aus dem Heiligen Land kamen, "quarantino di giorni" (also vierzig Tage lang) aufhalten mussten, bevor sie die Serenissima (die Stadt Venedig) betreten durften.

Das Gebäude wurde im Osten von Wiener Neustadt erbaut und mit zehn Zimmern ausgestattet. Patienten, die die Pest überstanden hatten, mussten sich dort sechs Wochen – also ebenfalls etwa vierzig Tage aufhalten, bevor es ihnen gestattet wurde, in die Stadt zurückzukehren. Freilich hatten sie sich vorher noch ausgiebig einem reinigenden Bad zu unterziehen und neue Kleidung anzulegen. Nach dem Erlöschen der Pest wurde das Haus auch als Armenasyl verwendet.
Dies und Das
Rezepte aus uralter Zeit

Viele jahrhundertealte Rezepte, die wohl auf Heilpraktiken eines Bauerndoktors zurückreichen, mit der Hand und in Kurrentschrift geschrieben, finden sich in einem Heftchen mit "wertvollen" Ratschlägen, etwa:

Rezept 25:
So ein Mensch Husten hat. Der brate Zwiebeln und schmiere die Fußsohlen damit.

Rezept 70:
Wenn die Luft unrein ist und die Pest regiert. So nimm Wälschen Nußkern und
Wacholderbeere, stoße sie untereinander, gib ein wenig Weinessig darauf und mache es, dass es wie eine Ladwerge (eine Art Zwetschgenmus) wird. Hernach morgens und abends davon gegessen.

Rezept 93:
So ein Mensch krätzig ist. Brat eine schwarze Schnecke und schmiere ihn mit dem Saft, es heilet alsbald.

Rezept 108:
Zu erfahren, ob eine Jungfer eine Jungfer sei oder nicht. Nimm Mutterkraut (das sind Chrysanthemen), dürre es und mache es zu Pulver, und laß sie daran riechen. Ist sie keine Jungfer mehr, so wird sie davon pissen müssen. Oder nimm grüne Taubennessel und laß sie darauf pissen. Ist sie keine Jungfer mehr, so verdorren die Nesseln.